Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals dem Thema Welpen- und Junghundekurs widmen. Da ich gerade selber mitten drin bin – bei uns ist auch ein Welpe eingezogen – habe ich Anlass, darüber zu schreiben.
Ich bin eine überzeugte Vertreterin von wenig zu mehr in der Hundeausbildung; und auch in der Schulung von Menschen. Aus meiner Sicht und Erfahrung macht es einfach absolut keinen Sinn, einen Welpen in eine grosse Welpengruppe zu stecken oder einen Junghund in den ersten Lektionen in eine Junghundegruppe einzuteilen. Ich plädiere aus tiefster Ueberzeugung und aus Erfahrung für eine Kleingruppe im Welpenkurs (max 4 Teams) UND / oder für Einzellektionen im Alltagsumfeld.
Eine Welpengruppe hat nun mal ganz andere Inhalte als das alltägliche Leben zu Hause oder auf den Erkundungsausflügen in der häuslichen Umgebung.
Die meisten Fragen in der Welpengruppe haben genau diese Inhalte: was mache ich zu Hause, wenn…; wie gestalte ich den Spaziergang; wie lade ich den Welpen aus dem Auto aus und dann…; wie beginne ich den Spaziergang; was mache ich unterwegs, wenn… etc.
Natürlich lassen sich die meisten Fragen theoretisch beantworten. Dafür gibt es aber auch Literatur und Filmchen auf Youtube.
Ich möchte mit den Welpenbesitzern genau diese Fragen vor Ort anschauen und auch vor Ort Hilfestellung geben.
Ein Welpe kann zum Bsp. bereits ab 9 Wochen kurz neben seinem Menschen warten, wenn dieser jemanden begrüsst; er kann beim Auto sitzen und auf das Weitergehen warten; er kann auch schon freudig kurz an der Leine mitlaufen; zu seinem Napf erst auf das OK seines Menschen starten; den Blickkontakt zum Menschen suchen; zu seinem Menschen rennen, wenn er gerufen wird, im Restaurant auf seiner Decke liegen; kurz an der Seite seines Menschen gehen etc.
Lernen wird der Welpe solche elementaren Anforderungen mit ziemlicher Sicherheit nicht in einer Welpengruppe, weil die Ablenkung zu gross ist, das Setting alltagsfern ist und der Fokus der Welpen nicht beim Menschen liegt, sondern bei seinen Spielkollegen.
Was braucht es dazu? Das Wissen und die Fertigkeiten des Menschen, seinen jungen Hund lesen zu können; Verhalten vorauszusehen; im richtigen Moment zu loben; im richtigen Moment ein Sichtzeichen geben; im richtigen Moment die Leine handeln; im richtigen Moment ein Rückrufsignal geben oder verknüpfen; den Welpen einschätzen können; Ueberforderung erkennen; die Umgebung so wählen, dass Lernen erfolgreich ist; überhaupt zu lernen, wie man dem Hund etwas beibringt etc.
Der Mensch lernt, wie er seinen Körper, seine Stimme, sein Gestik einsetzt. Er geht durch einen Lernprozess der Körperwahrnehmung und der Bewusstheit. Der Welpe und Junghund reagiert auf alles, was von seinem Menschen kommt. Egal ob vom Menschen bewusst gesendet oder nicht.
Die jungen Hunde wollen alles richtig machen und versuchen rauszufinden, was ihr Mensch von ihnen möchte. Sie bauen noch auf keiner Erfahrung auf, haben noch keine Referenzen, was die Signalgebung ihres Menschen anbelangt. Deshalb ist es so enorm wichtig, dass der Mensch von Anfang an klar kommuniziert, im richtigen Moment lobt oder ein Verhalten unterbricht.
Und auch dieses bewusste Einsetzen von Körper und Stimme, das richtige Timing, die Hilfestellungen etc wird der Mensch nicht in einer Welpengruppe lernen können, da auch für ihn zuviel Ablenkung und Stress, sondern in einem ruhigen und privaten Lernumfeld, sprich seinem Alltag.
Natürlich ist es wichtig, dass die Welpen auch andere Hunderassen kennenlernen. Nur: muss das in den ersten Wochen gleich nach dem Umzug sein? Ich gehe davon aus, dass der Welpe andersweitig beschäftigt ist mit einleben, ankommen, seine neue Heimat erkunden, seine Menschen kennenlernen.
Hat man gut sozialisierte erwachsene Hunde zu Hause, wunderbar, da sind die Hundekontakte fürs erste mal abgedeckt. Ist das nicht der Fall, erachte ich es als sinnvoller, nur wenig, dafür aber ausgesuchte Kontakte zu anderen Hunden zu pflegen. Möglicherweise einen Welpenkollegen/in in der Nachbarschaft oder eben in einer kleinen! UND entsprechend sorgfältig geführten Welpengruppe. Nicht sinnvoll ist es, einen Welpen mit einem Junghund «spielen» zu lassen, da der Junghund in der Macho – Testphase ist und viel zu wild und unkontrolliert interagiert mit einem Welpen. Lieber einen souveränen freundlichen erwachsenen Hund, der das Selbsthandicap beherrscht, Freude am Spiel mit einem Welpen hat und wenn nötig situationsadäquat interveniert.
Was die Junghundeausbildung angeht, vertrete ich eine ähnliche Haltung wie in der Welpengruppe. Für mich ist nicht der junge Hund das einzig massgebende Kriterium, ob in eine Kleingruppe oder nicht, sondern der Mensch ist der ausschlaggebende Faktor. Wenn ein Mensch den ersten Junghund hat oder diese Zeit schon Jahre her ist, empfehle ich IMMER Einzellektionen. Generell macht es sowieso Sinn, die ersten 5 Lektionen als Einzellektionen zu nehmen, um am Handling des Menschen und am Innenfokus des jungen Hundes zu arbeiten. Es geht in diesen Lektionen primär darum, den Menschen zu befähigen, seinen jungen Hund auszubilden und ihm Sicherheit in der Führung zu geben. Dafür braucht es grundsätzliche und individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten, die in einem Gruppensetting so nicht vermittelt werden können. Jeder Mensch ist anderes von seinem Erfahrungshintergrund her, seiner Persönlichkeit, seiner Art zu lernen und in seinem Umgang mit dem jungen Hund. Und jeder junge Hund braucht etwas anderes von seinem Menschen.
Erschwerend in einer Gruppe kommt hinzu, dass der junge Hund sich noch viel zu sehr von Aussenreizen ablenken lässt, sein Gehirn sowieso im Umbau ist und das erlernte Verhalten noch gar nicht gefestigt ist, geschweige denn, dass er überhaupt in so viel Ablenkung sinnvoll und zielgerichtet lernen kann. Wie soll er sich in einer Runde von anderen Teenies konzentrieren können?
Die Menschen haben in ihrem Mind eine Vorstellung, die sich nur schwer korrigieren lässt: ich gehe in die Welpen- und Junghundegruppe, um meinen Hund zu sozialisieren. Er soll da möglichst viele Hundekumpels treffen und rumrennen und glücklich sein. Wieso schliesst der Mensch aus, dass sein Hund glücklich ist, wenn er mit ihm - seinem Menschen – unterwegs ist draussen in der Natur und sie beide neues Lernen? Auch wenn nur ab und zu mal eine Hundebegegnung passend ist?
Ich behaupte nicht, dass Hunde nicht auch mit Hunden interagieren sollen. Ich meine damit schlicht und einfach, dass ein junger Hund in der Ausbildung zuerst ohne Ablenkung durch andere Junghunde ungestört lernen darf und sein Mensch genauso. Wenn schon Ablenkung, dann ein ruhiger und gelassener erwachsener Hund, der sich kontrolliert und situationsadäquat einbringt, wenn das denn erforderlich und erwünscht ist. Und erst wenn das Fundament gelegt ist, wenn der junge Hund sich an seinem Menschen orientiert und der Mensch sich und seinem Hund vertraut, geht es in die 2 er Gruppe. Wenn ich meine Mensch – Hund – Teams über diese Zeit beobachte und erlebe, wie toll sie unterwegs sind, bin ich sehr überzeugt, dass Weniger eben tatsächlich Mehr ist.

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obligatorische Hundekure Kt Zh
Auszug Schreiben Kanzlei Veterinäramt an alle Hundeausbildner im Kt Zh

Nachdem der Kantonsrat Zürich am 28. Mai 2018 beschlossen hat, die Ausbildungspflicht für grosse oder massige Hunde abzuschaffen, haben 62 Mitglieder des Kantonsrats das Referendum gegen die Abschaffung eingereicht. Das Zustandekommen des Referendums wurde letzten Freitag (22. Juni 2018) im Amtsblatt des Kantons Zürich bestätigt. Somit wird die Vorlage vors Volk kommen. Der Termin für die kantonale Volksabstimmung steht noch nicht fest. Ebenso lässt sich nicht sagen, auf wann das revidierte Hundegesetz – ob mit oder ohne Ausbildung – in Kraft gesetzt werden wird.
Halterinnen und Halter von grossen oder massigen Hunden sind bis auf Weiteres verpflichtet, die obligatorische Hundeausbildung zu absolvieren.

2018, im Juni

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Vieles ist bereits über die Kommunikation von Mensch und Hund geschrieben worden; und ich trage mit Sicherheit nichts neues dazu bei. Wissen wir doch alle, dass Hunde Meister sind im Lesen der Körpersprache und der Mimik.

Und genau da liegt der arme Hund auch schon begraben. Respektive steht er vor einer ganzen Menge Fragezeichen, die der Mensch in Hülle und Fülle dem Vierbeiner entgegenwirft. Unbewusst versteht sich und absichtslos. Das mit den Fragezeichen meine ich, nicht das mit den «Hörzeichen». Die Hörzeichen meint der Mensch durchaus ernst, ruft er sie doch auch in Folge, repetitiv und im Crescendo, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen. Und auch Synonyme dürfen nicht fehlen, schliesslich soll der Hund es ja ganz genau wissen, beziehungsweise hören und dementsprechend reagieren. Ein klassisches Beispiel aus dem Alltag:

Weiterlesen: Reduktion in der Kommunikation

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Heute haben alle Hundertrainer im Kanton Zürich ein Schreiben erhalten, dass die Abschaffung des Hundekursobligatoriums angenommen wurde.
Ich überlege gerade, was das für mich als  HundetrainerIn bedeutet. Natürlich höre ich alle aufatmen, die selber schon ausreichend Hundeerfahrung mitbringen und durchaus in der Lage sind, auch ohne Unterstützung aus ihrem Vierbeiner einen alltagstauglichen Begleiter zu machen. Das kann ich sehr gut verstehen und nachvollziehen.

Weiterlesen: Abschaffung Hundekursobligatorium Kanton Zuerich

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