Welpenkastration - willkommen im Mittelalter

Gerade bin ich auf der Webseite einer oesterreichischen Australian Labradoodle Zucht auf eine für mich unglaubliche Tatsache gestossen:
Da werden Welpen tatsächlich frühkastriert! Ja genau: den Welpen werden die geschlechtshormon produzierenden Organe sozusagen im Babyalter rausgeschnippelt und abgeschnitten.

Zusammenfassend steht da, dass die neuen Welpenbesitzer nichts zu tun haben müssen mit der Operation (wie praktisch) und die Welpen keine Allüren entwickeln werden und quasi pflegeleicht und sich selbsterziehend  abgegeben werden. Ach ja, und es gibt dann auch keine geschlechtsspezifischen Erkrankungen mehr. Und der alleserklärende und legitimierende Schlusssatz: nichts Bewiesenes spricht dagegen (sic!)

Sorry, aber wie praktisch wäre es doch, wenn wir gleich alle Menschenbabies kastrieren würden. Dann hätten die Eltern nie mehr ein Problem mit pubertierenden Kindern und die so fit gemachten Babies würden auch keine Allüren entwickeln und die Erziehung ginge dann wie von selbst. Ach ja, und das Thema der Verhütung hätten wir auch gleich abgehandelt und erst noch sehr gesund, da Chemie nicht mehr nötig ist. Stimmbruch? Nein, den gibt’s dann auch nicht mehr. Busen? Ach ne, der stört sowieso nur. Behaarung? Von wegen! Das Rasieren fällt auch gleich weg, egal ob Beine oder Gesicht. Wir sparen Zeit am Morgen und können uns gleich ins Auto setzen, vorausgesetzt, dass unser Gehirn ohne Geschlechtshormone noch über die dafür notwendigen Fähigkeiten verfügt.

Das tönt krass? Ja genau, das ist es auch. Heute weiss man, dass die Geschlechtshormone nicht einfach nur der Fortpflanzung wegen produziert werden, sondern auf allen Ebenen der körperlichen und geistigen Entwicklung eine massgebliche Schlüsselfunktion innehaben. So haben etwa die Geschlechtshormone einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Gehirns, indem sie zum Beispiel dafür sorgen, dass die Aufgabenverteilung optimiert wird und unnötige Synapsen mit der Pubertät abgeschaltet werden. Sie unterstützen unseren Denkapparat dahingehend, dass dieser seine volle Leistungsfähigkeit entfalten kann. Auch die Entwicklung der Knochen sowie der gesamten Muskulatur und des Herzkreislaufsystems unterliegen dem Einfluss der Geschlechtshormone. Von all den anderen biochemischen Prozessen im Körper mal abgesehen.

Das gesamte Hormonsystem ist so komplex aufgebaut und vernetzt, dass durch die Wegnahme der Geschlechtshormone die einzelnen Prozesse gar nicht mehr oder nur sehr beschränkt ablaufen können. Und was das für ein heranwachsendes Lebewesen bedeutet - egal ob tierisch oder menschlich, übertrifft sogar die eher kühnen Vorstellungen. 

Es würde den Rahmen hier sprengen, näher darauf einzugehen. Mit dem Thema Katration haben sich namhafte Fachleute wie Dr. Udo Ganslosser und Dr. Sophie Strodtbeck ausgiebigst befasst und zahlreiche Fachbücher und Artikel darüber geschrieben.

Umso mehr kann ich nicht nachvollziehen, dass es im 21. Jahrhundert noch ZüchterInnen gibt, die Welpen kastrieren und das sogar offiziell tun DUERFEN. Und das erst noch angebracht und praktisch finden für die neuen Besitzer! Wir sind im tiefsten Mittelalter gelandet, wo man Buben die Hoden abschnitt, damit sie als Eunuchen am Hof dienen konnten. Oder Mädchen zwangssterilisierte - was leider in der nahen Vergangenheit auch in der Schweiz noch der Fall war. Wie krank ist der Mensch? Und wer erlaubt ihm, so über Lebewesen zu verfügen?

Neurologische Aspekte der Kastration beim Hund (anclicken)
(PD Dr.Udo Ganslosser und Dr.med.vet. Sophie Strodtbeck)

Kastration beim Hund - ein Paradigmawechsel (anclicken)

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