Ein sicherer Rückruf, oder: das Tor zur (Leinen-) Freiheit

Hast du auch schon davon geträumt, wie toll es wäre, wenn dein Hund auf dein Rufen sofort auf den Hinterpfoten dreht und mit fliegenden Ohren und einem Lachen im Gesicht zu Dir zurückrennt? Dann wird es höchste Zeit, deinen Traum Realität werden zu lassen.

 

Ja klar, das passiert nicht über Nacht und schon gar nicht im Schlaf. Und nein, dein Hund rennt nicht zu dir, weil du interessanter bist als ein anderer Hundekumpel oder das Reh, welches gerade im Wald verschwindet. Das ist Wunschdenken und funktioniert in etwa gleich gut, wie wenn du an Aladins Wunderlampe reiben würdest.
Ein sich schnell entfernendes Felltier ist in den meisten Fällen spannender als Du oder Dein Winken mit der Guditüte. Und auch ein ausgelassenes Spiel mit dem Nachbarshund steht sehr hoch im Kurs. Da nützt auch das Hervorzaubern der Leberwurstube herzlich wenig. Im besten Fall schaut Fido kurz zu dir und denkt sich: «Die bekomm ich nachher ja sowieso noch, jetzt ist erst mal Fun angesagt.»
Was du in dieser Situation tun kannst ist, dir in der Zwischenzeit Gedanken darüber zu machen, wie fett eure Verknüpfungsgeschichte mit eurem Rückrufsignal schon ist. Während dein Hund rumtollt und du nachdenkst, nutze ich die Zeit für einen kleinen Exkurs zum Thema lernen.
Bevor dein Hund ein Signal befolgen kann ( bitte NICHT das Wort KOMMANDO), müssen die Grundlagen dazu erarbeitet werden. Im Prinzip ist es sehr einfach. Der Aufbau von sicheren Signalen – mit sicher meine ich: mindestens 4 von 5 Mal funktioniert immer-, unterliegt gewissen Gesetzmässigkeiten, die da wären: Eindeutige Signale und immer dasselbe Signal für dasselbe Verhalten; eine ablenkungsarme und dem Ausbildungsstand angepasste Umgebung, damit der Hund sich überhaupt auf das neue Signal konzentrieren kann; hohe Belohnungsrate, also jedes erwünschte Verhalten gut verstärken und zwar jedes Mal im Aufbau; das richtige Timing, also: in welchen Moment gebe ich das Signal; und nun kommt das Allerwichtigste: so richtig viele Wiederholungen mit ganz tollen Belohnungen. Bis ein Hund ein Verhalten, wie den sicheren Rückruf vom fliehenden Reh oder vom Hundekumpel weg ausführen kann, hast du mindestens 7000 erfolgreiche! Wiederholungen von wenig Ablenkung bis viel Ablenkung mit deinem Hund praktiziert. Und nach Adam Riese bist du da eine Weile dran.

Ein kurzer Blick rüber zu deinem Hund: Er spielt immer noch mit dem Kollegen, somit können wir noch etwas weiter den Rückruf theoretisch unter die Lupe nehmen.
Was ich sehr oft und fast wie ein Mantra von meinen KundInnen höre, sind folgende Sätze: «Muss ich meinen Hund ein Leben lang mit Gudis füttern für den Rückruf?» Meine Antwort: Ja, ein Leben lang das «Zudirkommen» verstärken; es gibt mindestens  20 unterschiedliche Belohnungen und mindestens so viele Arten, ein Gudi zu geben. Finde Du raus, was für deinen Hund eine Belohnung ist. Wenn du bei dem einen Stück Trockenfutter bleibst als Verstärker von Verhalten, wirst du mit Sicherheit alleine im Walde stehen, wenn es Ernst wird mit dem Rufen.
Ein weiteres Mantra: «Der kommt ja nur wegen der Wurst zu mir». Wenn das DEIN Satz ist, hast du definitiv nicht mitbekommen, dass die Belohnung NICHT der Rückruf ist. Wenn du jedes Mal mit der Guditüte raschelst oder winkst, wenn dein Hund kommen soll, und der aber gerade keinen Bock auf Gudis hat, stehst du tatsächlich mit abgesägten Hosenbeinen da. Und für alle «Ich belohne nicht mit Futter Menschen»:  Genau gleich verhält es sich mit dem Spielzeug oder der Beisswurst ( Boudin genannt); wenn dein Rumwedeln mit dem Teil zu deinem Rückrufsignal wird und nicht als Verstärker für das Zurückkommen  eingesetzt wird, – das ist ein grosser Unterschied! – kannst auch du dein Spielzeug dem hopelnden Hasen hinterherwerfen.
Da dein Hund immer noch seinem Hundekumpel hinterherflitzt, bleibt uns noch etwas Zeit. Ich bin ganz deiner Meinung: Einen sicheren Rückruf aufzubauen ist alles andere als einfach. Lass uns doch  einen kurzen Blick in die Fallgruben oder auf die Fallstricke wrfen, die du dir unbewusst selber gräbst oder über den Weg spannst: Du rufst deinen Hund immer, wenn er von dir wegrennt und verknüpfst damit das Signal als «Wegrennsignal». Du denkst jetzt sicher: «Logisch rufe ich, wenn er wegrennt! Er soll ja schliesslich umdrehen und zu mir kommen.» Wo du Rechst hast, hast du Recht. Leider rennt dein Hund nach obiger Verknüpfung aber leider in die falsche Richtung. Also genau das Gegenteil von dem, was du ja eigentlich beabsichtigt hast.
Denk kurz darüber nach, was du für ein Endverhalten möchtest nach dem Rückrufsignal… Genau: «Mein Hund soll bei mir ankommen». Sic! An einer anderen Stelle haben wir bereits erfahren, dass ein Hund beim Lernen Verknüpfungen macht: Er zeigt ein Verhalten und das Verhalten hat eine Konsequenz zum Bsp. in Form einer Belohnung (positive Verstärkung). Und er hat gelernt, dass einem bestimmten Verhalten ein Signal vorausgeht. Wenn wir im Aufbau des Rückrufsignal dem Hund als ersten Schritt vermitteln, dass HIER heisst, bei seinem Menschen zu sein und dass es sich lohnt, dort zu sein, weil wir das «Beim Mensch sein» verstärken, wird er auch in 2m Entfernung nach dem Signal HIER zu seinem Menschen traben, weil er weiss, dass er dort eine Belohnung bekommt in Form eines Gudis, eines Lobes, eines Spiels, einer Liebkosung etc. Und wenn dann dein Hund auf 10m Distanz das Signal hört, wird er genau dasselbe Bild verankert haben: «Wenn ich bei meinem Menschen ankomme, geht es mir gut, ich werde belohnt dafür.» Und bis du das Signal HIER zum ersten Mal rufst, wenn dein Hund von dir wegrennt, hast du schon ganz ganz viele, für den Hund sich lohnende Wiederholungen gemacht, wenn er auf dich zuläuft.
Du hast also für das Signal HIER aus einem schmalen Trampelpfad im Gehirn UND im Belohnungszentrum deines Hundes eine breite und sichere Autostrasse gebaut. Das Signal geht direkt in die Schaltzentrale des Hundes und das Belohnungszentrum springt sofort an, ohne dass dein Liebling zuerst darüber nachdenkt, ob der Hase nicht doch die bessere Variante wäre.
Verstehst Du meine Botschaft? Dein Hund hat so viele tolle Erfolge gehabt mit dem HIER – Du in dem Fall natürlich auch – dass er gar nicht mehr darüber nachdenkt, sondern reflexartig umdreht und zu dir flitzt. Dann und erst dann ist der Rückruf verankert. Und wenn du diesen Anker ein Leben lang aufrechterhalten möchtest, musst du den Rückruf auch ein Leben lang verstärken, respektive deinen Hund für sein Kommen belohnen. Und zwar der Situation angepasst.
Darüber aber ein anderes Mal oder wenn wir uns bei der nächsten Lektion treffen. Dein Hund ist mittlerweile auch bei uns eingetroffen. Und ich freue mich schon, wenn er dann in einem halben Jahr auch mit fliegenden Ohren und mit einem Lachen im Gesicht zu Dir rennt. Deinem Training sei Dank!

In dem Sinne: Fallgruben und Fallstricke gehören der Vergangenheit an!

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