Brunchen, oder wie der Apfel zum Hund gelangt

Heute waren wir zum Brunch eingeladen. Wir, das sind zwei Menschen und drei Hundedamen. Nicht nur für uns, sondern auch für die Damen ein sehr erfreuliches Ereignis, weil ihr Hundefreund natürlich auch vor Ort war. Die vier Freunde kennen sich nun schon eine ganze Weile und so haben sie sich auch begrüsst: herzlich einander anstupsend, ein bisschen Körperkontakt und hin und her Gewusel. Die Stimmung sehr freundlich, in etwa so, wie wenn sich Teenies treffen, obwohl die beiden Aelteren rein jahrestechnisch betrachtet, im fortgeschrittenen Seniorenalter sind. Was dem Erkundungsverhalten meiner Goldi-Grande-Dame gänzlich keinen Abbruch tut. Und auch der Gastgeber auf vier Pfoten spaziert fröhlich durch die Gegend, respektive von Dame zu Dame.


Was mich immer innerlich zum Schmunzeln bringt, ist die unverhohlene Neugier der Hunde in einem neuen Revier. Je nach Situation und Gastgeber, dürfen sie sich einmal quer durch die Wohnung schnüffeln. Schliesslich will Hund wissen, wo er gerade gestrandet ist.
So viele neue Gerüche gibt es da zu entdecken und im Glücksfall liegen auch gleich noch Stofftiere vom Hundekumpel rum, die man in Beschlag, respektive in den Fang nehmen kann. Die Hundebettchen laden zum Testkuscheln und Knutschen mit dem Gastgeber ein – dem Hund versteht sich – und alle sind im Modus «Friede, Freude, Eierkuchen».
Ich liebe solche Besuche unter Freunden, wo einfach alle zufrieden sind. Kein wildes Herumtollen oder zwanghaft verordnetes Rumliegen, sondern ein harmonisches Miteinander, das bei allen Beteiligten ein gutes Gefühl hinterlässt.
Sehr amüsant finde ich die Tatsache, dass Hunde sich keinen Deut drum kümmern, ob das jetzt ein angemessenes Verhalten ist, sich im Wohnzimmer ausgiebig umzuschauen oder mal schnell um die offen im Raum stehende Kochkombination zu kreisen. Kreisen um Objekte haben wir schliesslich trainiert, und zudem leben da auch noch Katzen im Haushalt und es könnte ja sein, dass eine Fellnase ihr Katzenfutter unangetastet in der Küche hat stehen lassen.
Nicht dass Du jetzt denkst: «Um Himmels Willen, DIE laden wir bestimmt nie mit ihren Hunden ein.» Wenn ich die Hunde auf einen Platz schicke, bleiben sie natürlich dort auch liegen. Wenn sie für eine Weile selber Entscheidungsfreiheit haben, tun sie eben genau das, was ein Canide macht an einem neuen Ort: entdecken und auskundschaften. Und Sachen finden und Freundschaften pflegen. Wichtig finde ich, dass alles in Ruhe abläuft, keine Hektik unter den Hunden entsteht, keine Ressourcen rumliegen, sollte ein Hund ein Thema damit haben, keine Renn- und Raufspiele im Haus. Aber Kontaktliegen, Komfortverhalten, Rumkabbeln und alles in einer gechillten Stimmung darf und soll tatsächlich sein. Die vier Hunde suchen sich danach auch selber einen Ruheort bei uns Menschen, und alle sind zufrieden.
Nach dem Essen dann noch eine Runde im Garten drehen, eine Gemeinschaftsduftmarke setzen, Gruppenschnüffeln auf der Wiese. Ich zähle kurz durch: Devi, Leela, der Bube und Panda. Oder eben nicht! Wo ist Panda? Kurzer Blick in die Runde, schwarz fehlt. Eben hat sie doch noch mit dem Buben rumgehampelt. Doppelpfiff hilft immer. Gesagt – getan. Und schon flitzt sie wie der geölte Blitz aus der Wohnung in den Garten und rennt freudig auf mich zu. Und mit ihr ein schöner grosser Apfel, der wie ein Schnuller aus ihrem Fang raus guckt. Voller Stolz und mit der Rute wedelnd präsentiert sie ihren Fund. Aus meiner Sicht etwas weniger gefunden als stibietz, aber Panda sieht das als Jägerin und Sammlerin natürlich gänzlich anders. Ich weiss auch sofort, wo sie den Apfel «gefunden» hat. Bei ihrem ersten Gang durch die Wohnung hat sie mit ihren Sperberaugen die Früchteschale entdeckt. Und als wir dann alle im Garten waren, ist sie klammheimlich wieder reinmarschiert, hat sich gross gemacht und den Apfel aus der Schale gefischt. Die Freude steht ihr im Gesicht geschrieben. Sie strahlt wie ein Honigkuchenpferdchen. Und nein, schlechtes Gewissen kennt sie nicht. Wieso auch, steht ja kein Verbotsschild dran an der Früchteschale. Im ersten Moment ist es mir etwas unangenehm, weil ich gerade wie ein Mensch denke und fühle und eben nicht wie Panda in dieser Situation. So nach dem Motto: wie peinlich ist das denn, der Hund der Hundetrainerin klaut. Nein, liebe LeserIn, der Hund der Hundetrainerin findet und bringt. Was will ich mehr. Hätte ich sie dafür geschimpft, würde der Apfel bestimmt beim nächsten Mal nicht mehr bis zu mir kommen, sondern gleich den Weg in Pandas Bauch nehmen.

In diesem Sinne: "Refraiming lässt in manchen Situationen Hundeherzen höher schlagen und die des Menschen auch"

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