Wie sag ich`s meinem Menschen, oder: Menschenkunde für Caniden

Irgendwann werde ich mir definitiv die Zeit nehmen, einen Erziehungsratgeber für Hunde zu schreiben: «Der Zweibeiner; ein Ratgeber für Menschenanfänger». Da werden dann Sätze drinstehen, wie: «Falls Dein Mensch Laute von sich gibt, die du nicht einordnen kannst, gehe eine Runde schnüffeln, das entspannt».

Oder: «Wenn du als Welpi dringend pinkeln musst, und dein Mensch dein Kreisen mit tiefer Nase an Ort nicht lesen kann, pinkle direkt vor die Eingangstür. Das ist ein deutlicheres Signal und hilft deinem Menschen, dich zu verstehen.» Oder: «Greift dein Mensch in die Guditasche, renn ganz schnell zu ihm hin, dann bekommst du ein gutes Häppchen angereicht. Und ja, die rufen auch noch was dazu, aber das kannst du getrost ausblenden. Aendert sich sowieso von Zeit zu Zeit.»
Und noch ein Beispiel zum menschlichen Problemverhalten: «Es gibt so einen bestimment Ton, den die Menschen immer ausstossen, wenn du wegrennst. HIIIER oder so ähnlich. Und wenn du dann noch mehr beschleunigst, rufen sie immer lauter und noch mehr Hiiiierhiiiier. Folglich muss das, was du tust, ja richtig sein. Denkste! Wenn du dann nach 5 Minuten rennen voller Freude zu deinem Menschen flitzt, gibt es jedes Mal Aerger und sicher keine Belohnung dafür.» Das soll einer verstehen.
Da mir dieses Thema sehr am Herzen liegt, gibt es in Kürze auch ein Seminar für Hunde, mit der Bezeichnung: «Menschlich für Caniden; die Irrtümer im Zusammenleben mit dem Zweibeiner». Einige weitere Beispiele könnten sein: «Der Mensch ist sehr erregt und animiert seinen Hund dazu, diesen Hochstehtrick an seinen Beinen vorzuführen. Der Hund steht mit beiden Pfoten hoch und strahlt bis zu den Backenzähnen, weil er das so schnell kapiert hat. Wieder denkste! Der Mensch ruft RUNTER, du denkst: klar, mach ich doch gerade. Der Mensch schubst und du landest auf dem Boden. Uuups, also gleich nochmals denselben Trick: du stellst dich auf die Hinterbeine, Pfoten an den menschlichen Oberschenkeln hoch; super, ist mir schon wieder gut gelungen, diesen Trick zu machen, da der Mensch ja wieder RUNTER gerufen hat. Wann kommt denn nun meine Belohnung? Ach so, dem Menschen steht nach Schubsspiel, finde ich auch ganz cool. Bisschen runter, wieder hoch, RUNTER und alles von vorne. Blöd ist nur, dass der Mensch sich bei diesem Spiel so erregt. Mein Tipp an dich: «Achte auf die Erregungslage deines Menschen und hör auf, bevor er sich nicht mehr runterfahren kann. Morgen ist auch noch ein Tag.»
Im Weiteren möchte ich noch das Leinenspiel erwähnen: «Dein Mensch hängt so ein langes Seil an dein Brustgeschirr, das andere Ende hält er in der Hand umklammert. Und jedes Mal, wenn du nach vorne läufst, ruft der dann so was, wie FUUSSSS oder PIEDE und zieht dich an dem Seil - sie sagen dem Leine -  zurück in seine Richtung. Im besten Fall bekommst du ein Leckerli und das Spiel beginnt von vorne. Du rennst los, dein Mensch ruft FUSS und solltest du dann zurückkommen, wird dir wieder ein Häppchen gereicht.» Wieso regt er sich denn nach der 100- sten Wiederholung auf? Hat bis jetzt doch alles wunderbar geklappt.
Auch das ein wunderbares Beispiel dafür, wie schnell dein Mensch Fehlverknüpfungen kreiert und Verhaltensketten fabriziert. Steht dann alles ausführlicher im Ratgeber drin.
Abschliessend noch ein kleiner Kniff zu Begegnungen mit Artgenossen: «Dein Mensch sieht deinen Erzfeind und zieht dich schnurstracks darauf zu mit den Worten: MEINER will nur spielen. Mein Insidertipp: «Leg dich flach wie eine Flunder auf den Boden und stürz dich im passenden Moment nach vorne, dann hast du den Ueberraschungseffekt auf deiner Seite und der Andere schaut blöd aus seinem Fell».
All diese Situationen haben eines gemeinsam: ein Missverständis in der Kommunikation. Mensch spricht deutsch, und Hund denkt hündisch. Das kann nicht immer passend sein.
An dieser Stelle schliesse ich für heute. Ich bin sicher, dass Du, Mensch, noch einige Situationen mehr in petto hat. Sonst frag einfach deinen Hund, dem fällt ganz bestimmt noch das eine oder andere dazu ein.

In diesem Sinne: "Auch Fremdsprachen kann man lernen; schliesslich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen."

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