Die Stille vor dem «Pilzlen», oder wenn die «Pilzler» den Wald fluten

Irgendwie hat sich der Wald verändert, seit Corona Einzug gehalten hat. Früher -also pandemisch gesehen-, waren meine Hunde und ich meistens alleine im Wald unterwegs. Wie wunderbar war diese Ruhe, das Zwitschern der Vögel, der Wind in den Bäumen, ab und zu ein Knacken im Geäst oder ein Reh, das sich reh-bellend Gehör verschafft. Wie habe ich es genossen, in den Morgenstunden in dieser noch feucht-nebligen Stimmung einen Morgenspaziergang zu machen, mich auf den Tag einzustimmen, gemeinsam mit den drei Hundedamen.

Achtsamkeit und Besinnung sind unsere Begleiter, wenn wir als Gäste den Wald besuchen. Der Wald mit all seinen Mitbewohnern lädt uns ein, zu verweilen und wir geben uns sehr Mühe, uns an die Hausordnung zu halten. So wie es von Gästen auch erwartet wird.
Heute waren wir wie gewohnt unterwegs in "unserem Wald". Aber heute war ein anderer Waldtag. Ein lauter Tag, ein umtriebiger Tag, ein Tag voller Gebell und voller Menschen.

Wie die Pilze, die sie suchen, schiessen diese Wesen aus dem Boden, mit ihren über den Arm gehängten Körbchen. Unvermittelt tauchen sie plötzlich auf, stehen mitten im Wald wie Rumpelstilz und schneiden alles ab, was einen Stiel hat und einen Hut trägt.

Wieso um Himmelswillen fangen alle an, nach Pilzen zu suchen? Heute ist mir klar geworden, weshalb die Lagottizüchter gerade eine Hochkonjunktur erfahren. Schliesslich gehört zu einem «Pilzler» auch der richtige Hund. Alles hat seinen Rahmen und seine Zugehörigkeit oder Wichtigkeit. Nur frage ich mich gerade: Wo waren diese Menschen VOR Corona? Womit haben die sich bloss beschäftigt, bevor der Wald zu ihrer neuen Freizeitaktivität auserkoren wurde? Der Wald als Lebensraum der Tiere wird abgelöst durch die Nutzung des Waldes als Freizeitspass für Hobbypilzler, Waldjogger, Crossroadvelofahrer und Coronahundehalter.

Heute waren wir wie gewohnt unterwegs in unserem «Wald». Aber heute war ein anderer Waldtag. Lautes, fast schreiendes Gebell. Zuerst lange Zeit in der Ferne, fast ohne Unterbruch. Das typische Bellen eines sehr aufgeregten, jagdlich motivierten Hundes.
Wer mit Hunden zu tun hat, kann dieses Geschrei sofort zuordnen. Nach ca. 10 Minuten wurde das Gekläffe lauter und lauter, bis ich das Trio in einigen Metern Entfernung aus dem Wald treten sah. Zwei Wesen, die sich plaudernd und angeregt unterhalten, munter ihre roten Pilzkörbchen schwenkend, die an ihren Unterarmen lustig hin und her baumelten. Was ich nun ganz und gar nicht lustig fand, war das ohrenbetäubende Schreien dieses - vermutlich – Irishsettermischlings -vermutlich - aus dem «Tierschutz», der sich auf den Hinterbeinen gehend -durch die straffe Leine stabilisiert-, vor diesen zwei Pilzlern kreischend durch den Wald pflügt.

So was haben auch meine drei Hundedamen noch nicht gesehen. Völlig fasziniert ob diesem Szenario stehen wir in der Landschaft und gucken dem Trio hinterher. Das jaulende Jammern verfolgt uns sicher noch weitere 10 Minuten. Entweder war der Hund dann heiser oder die zwei Körbchenmenschen haben ihn in ihr Auto gepackt und sind zurück in ihre Stadtwohnung gefahren, um bei einem Glas Rotwein und einem Steinpilzrisotto über ihren wunderbaren und entspannten Waldspaziergang mit ihrem Hundeschatz zu philosophieren: «Schau, unser Kleiner liegt jetzt ganz gechillt in seinem Körbchen und schnarcht zufrieden vor sich hin. Das hat ihm sicher gut gefallen. Lass uns das doch öfters machen. Tut ihm richtig gut, mit uns im Wald zu sein. Dann lernt er das auch mit dem Jagen. Guck doch, wie toll AUSGELASTET er jetzt da schläft».

Uebirgens sind meine Unworte des Jahres 2021: AUSLASTEN und PILZESUCHEN.

In diesem Sinne: Ein Männlein steht im Walde, so ruhig und still...bis der Mensch kam, dann lag`s im Körbchen, begleitet von Gebell.

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